Allgemeine Krankenhaus

                   für die

               Stadt Hagen

                            gegründet 1853

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Um die Mitte des vorletzten Jahrhunderts, als sich die Anzeichen des Industriezeitalters bemerkbar machten, wurde in verantwortungsbewußten Bürgerkreisen die Frage aufgeworfen, ob es nicht zweckmäßig sei, in der Stadt Hagen ein Krankenhaus zu errichten.

Hagen umfaßte damals zwar nur 500 Häuser mit etwa 8000 Einwohnern, doch war abzusehen, daß der Stadt infolge ihrer günstigen Verkehrslage eine beträchtliche industrielle Entwicklung mit dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum bevorstehe.

Am 09. Januar 1853 versammelten sich auf Veranlassung des damaligen Kreisrichters von Briesen

18 Hagener Bürger, um sich mit der Frage einer Krankenhausgründung zu beschäftigen.

Teilnehmer der Gründungsversammlung vom 09.01.1853

Robert von Briesen: Kreisrichter, später Rechtsanwalt in Hagen

Karl Theodor Asbeck: Fabrikant, Kommerzienrat

A.Bruxe

Gustav Butz: Herausgeber und Schriftleiter des Hagener Kreisblattes

Friedrich Wilhelm Castringius: Kreisrichter

Carl Elbers jr.: Fabrikant, Kommerzienrat

Friedrich Falkenroth: Fabrikant

Wilhelm Funcke jr.: Fabrikant

Wilhelm Gerstein: Rechtsanwalt und Notar

Johann Casper Harkort: Fabrikant -- Haspe Harkorten

Johann Klappert: Krieger ( wahrscheinlich in Haspe ansässig)

Gustav Theodor Loebbecke: Staatsanwalt, später Oberstaatsanwalt in Münster

Ferdinant Möller: Kaufmann

Eduard Müller : Luther.Pfarrer

Dr.med.Reincke: Erster Arzt des Krankenhauses

Friedrich Schmidt: Bürgermeister in Hagen 1851 - 1863

August Steinmeister: Fabrikant

August Voswinckel: Großkaufmann, Tuchfabrikant

Das Interesse an der Errichtung eines Krankenhauses in Hagen war sehr groß; so veranstalteten z.B. Frauen der Stadt eine Lotterie weiblicher Handarbeiten zugunsten des Projektes.

Sieben Jahre vergingen, bis genügend Kapital angesammelt worden war und ein passendes Gebäude gefunden wurde.

Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für den Umbau als Krankenhaus stieß man auf die 2 Morgen große Besitzung der Witwe Julie Behling.

Dieses Grundstück mit aufstehenden Gebäude lag vor der damaligen Stadt an der Chaussee nach Wehringhausen, der heutigen Elberfelderstrasse, etwa dort, wo heute das Stadttheater steht.

Der Hagener Baumeister Schulz wurde mit dem Umbau des Behlingschen Hauses betraut.

Am 4. Mai 1860 wurde dann das erste Krankenhausgebäude seiner Bestimmung übergeben; es waren zunächst 12 Krankenbetten, ein Arzt und 3 Diakonissen vorhanden.

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Bereits 1861 mußte angebaut und die Bettenzahl auf über 50 erhöht werden.

Die Eingemeindung von Eilpe und Wehringhausen 1876 brachte einen beträchtlichen Bevölkerungszuwachs für die Stadt.

Bis zum Jahr 1880 stieg die Hagener Bevölkerungszahl auf 26995 Einwohner an.

Ein Erweiterungsbau wurde dringlich.

Der Erbauer des ersten Anbaus, Baumeister Schulz, war verstorben, und der Architekt Karl Picht erhielt den Auftrag, einen zweiten Anbau mit etwa 70 Betten zu schaffen.

Der Neubau wurde am 2.Juli 1883 durch August Voswinckel unter Anteilnahme des Oberbürger - meisters Prentzel und Landrat Hymmen seiner Bestimmung übergeben.

Die Weihrede hielt Pfarrer August von Manger.

Das Haus hatte nun eine Größe von 118 Betten erreicht , die bis zum Jahre 1909 unverändert fortbestand.

Bereits in den siebziger des vorletzten Jahrhunderts sah man voraus, daß die Anlagen an der Elberfelderstrasse für die Bedürfnisse des Krankenhauses unzureichend sein würden.

So war es denn ein Akt weiser Voraussicht, als Wilhelm Funcke 1875 seinen Garten " Am Buschey"

dem Krankenhaus schenkte.

In den Jahren 1887 bis 1892 wurden " Am Buschey" weitere Grundstücke aufgekauft bzw. getauscht.

1906 wurde der endgültige Beschluß gefaßt, das Krankenhaus mit seinen Nebengebäuden am Buschey entstehen zu lassen.

Im Jahre 1909 konnte das neue Krankenhaus mit Isolierhaus, Krüppel,- und Kinderheim, Andachtshalle und Wäschereigebäude übergeben werden.

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Die Räumlichkeiten im Krankenhaus sahen 1920 wie die nachfolgenden Bilder aus

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Einschneidene Veränderungen brachte der erste Weltkrieg.

Bei der Mobilmachung am 2.August 1914 wurden beide Chefärzte, Prof.Dr. med. Baumgarten und

Dr. med. Haver zum Kriegsdienst eingezogen.

In den ersten Tagen des September 1914 kam der erste Transport von 100 Schwerverwundeten.

Auch in den Jahren 1939 bis 1945 wurde ein Teil des Krankenhauses als Lazarett verwandt.

Lazarett und Krankenhauswaren streng getrennt.

Die Behandlung der Verwundeten geschah durch Militärärzte.

Während des Krieges hatte das Haus mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen; das Schlimmste waren jedoch die Luftangriffe.

Neben ernsteren Schäden im März 1943 und Dezember 1944 brachte der Großangriff am 15.März 1945 schwerste Zerstörungen für das Krankenhaus.

Der Krieg war zu Ende gegangen, und man ging daran, die Berge von Schutt fortzuräumen.

Es war ein Gemeinschaftswerk von Schwestern und Hauspersonal, Arbeitern und Angestellten der beteiligten Baufirmen.

Nach der Genehmigung durch die Besatzungsbehörde wurde im Juni 1945 mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen.

Nach Beendigung des Wiederaufbaues im Jahre 1952 trat eine Investitionspause ein, da die Mittel zum weiteren Ausbau des Hauses nicht zu beschaffen waren.

Diese begannen erst im Jahre 1958 zu fließen und es entfaltete sich eine rege Bautätigkeit, verbunden mit der Schaffung neuer für den Raum Hagen bedeutsamer Kliniken.

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Allgemeine Krankenhaus nach dem Wiederaufbau  ( Eingangszone um 1950)

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Allgemeine Krankenhaus nach einen weiteren Umbau  ( Eingangszone um 1970)

Quelle : Bilder und Text der Festschrift zum 125. Jubiläum des Allgemeinen Krankenhauses für die Stadt Hagen, von Werner Clever, 1978